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Amerikanische Wirtschaftskrise weit schwerer als erwartet
28. Juli 2008 -- finanzredaktion.de
Vor fast genau einem Jahr begann an den amerikanischen Aktienbörsen der seit vielen Jahren stärkste Kurseinbruch. Für Fundamentalanalysten sind diese Ereignisse die Reaktion of die Kirse um die sogenannten Subprime mortgages. Doch für die technische Analyse war die Entwicklung bereits wesentlich länger vorhersehbar: seit die Kurse sich ab Herbst 2003 wieder zu erholen begannen, war die Ausbildung einer großen Top-Formation mit den Höchstständen der Aktienkurse im Frühjahr 2000 äußerst wahrscheinlich und beispielsweise am Chart des S&P500 (Standard & Poor's Index aus 500 US-Aktienwerten) auf den ersten Blick erkennbar. Daß die Preise an den Aktienmärkten dieses Niveau würden überspringen können, war angesichts der Gesamtwirtschaftslage und des im Untergrund schon lange schwelenden gigantischen US-Haushaltsdefizits von vornherein unwahrscheinlich oder zumindest fraglich.
Dem sogenannten Smart money sind diese Entwicklungen auch nicht entgangen [Leser der Finanzredaktion wurden bei finanzredaktion.de oder in den Subscription-only newsletters der Finanzredaktion schon seit Anfang März 2007 auf die sich abzeichnende Lage hingewiesen], und die Überzogenheit der Preise an den Aktienmärkten war mithin vielerorts bekannt. [Vertrauend auf die eigenen, durch technische Analyse gewonnenen, Erkenntnisse, liquidierte der Verfasser die letzten eigenen Aktienanlagen im Juni 2007, gerade noch rechtzeitig vor den Kurseinbrüchen. Die Red.] Mittlerweile ist auch den letzten Aktienanhängern klargewroden, daß es sich nun "offiziell" um einen Bear market handelt; doch wer stets erst auf die "Amtlichkeit" solcher Lagen wartet, verliert bis zum Zeitpunkt der entsprechenden Verlautbarungen gehörige Summen an Geld.
Daß der Groschen nun auch bei den letzten Trotteln und Daueraufschwunggläubigen gefallen ist, liegt einerseits an der Fülle der entsprechenden Nachrichtenmeldungen und andererseits an der Tatsache, daß die Indexstände mittlerweile den vorläufigen Tiefstpunkt des Spätsommers 2007 unterschritten haben. Mit dieser Entwicklung ist weiteren Kursrückgängen Tür und Tor geöffnet [finanzredaktion.de berichtete am 03.08.200], und möglicherweise ist damit der weithin erwartete und bis ins Jahr 2017 reichende Bear market cycle eingeleitet. Jedenfalls bedarf es nunmehr einer großn Zahl sehr starker neuer Faktoren und überaus positiver wirtschaftlicher Entwicklungen, um den Abwärtstrend umzukehren.
Solche Entwicklungen sind bis auf weiteres nicht in Sicht, auch wenn zumindest an den Börsen die Talfahrt zur Zeit eine kleine Atempause einzulegen scheint. Im Gegenteil, die Krise der amerikanischen Wirtschaft scheint noch schwerer, als bisher erwartet. Neben dem seit der Amtszeit US-Präsident Ronald Reagans angelegten Haushaltsdefizit der USA selbst sind die neben vielzu hohen US-Staatsausgaben zu diesem Deifizit beitragenden Sekundärfaktoren ebenfalls schlechter als angenommen: nicht nur ist, was ebenfalls längst bekannt ist, die US-Handelsbilanz insgesamt negativ, sondern auch einzelne Bereiche wie insbesondere die amerikanischen Vorzeigebranchen IT und Computing sind defizitär. Das bedeutet, daß durch US-Unternehmen in der Summe selbst in diesem Sektor mehr importiert als exportiert wird -- und das trotz des Sitzes eines Monopolunternehmens wie Microsoft in Redmont, WA oder weiterer Computertechnikgiganten wie Sun Microsystems, IBM, Hewlett Packard, Dell und anderer in den USA. Wenn selbst die kombinierten Einnahmen und mithin die auf die entsprechenden Gewinne anfallenden Steuern nicht in der Lage sind, die prekäre US-Haushaltslage zu lindern, dann dürfte der seit Ronald Reagan stets mehr ausgebende als einnehmende amerikanische Fiskus zu vernünftigem Wirtschaften gänzlich außerstande und die Situation damit für lange Zeit aussichtslos sein.
Zu den schon jetzt nicht ausreichenden Einnahmen des US-Fiskus werden dramatisch steigende Ausgaben hinzukommen: nach dem Bailout von Bear Sterns und dem Eintreten für die "Mortgage twins" (die zentralisierten Hypothekenzentren "Fanny Mae" und "Freddie Mac") werden die USA mit einiger Wahrscheinlichkeit auch die Verhinderung eines Konkurses von General Motors als politisch angezeigt ansehen. Zudem sind momentan acht größere US-Banken vom Zusammenbruch bedroht. Die Privatisierung der Gewinne bei nachfolgender Sozialisierung der Verluste aller dieser Unternehmen durch ein staatliches Aushelfen wird die amerikanische Allgemeinheit sehr teuer zu stehen kommen.
In näherer Zukunft kommen auf die öffentliche Hand in den USA weitere Ausgaben zu: die "großzügigen Injektionen" der US Federal Reserve Bank von Geld in die an Liquiditätsmangel leidende Wirtschaft muß in Zukunft einmal "bezahlt" werden; denn selbst wenn diese Aufblähung der Geldmenge (bisher noch) nicht durch Abwurf von Geldscheinbündeln aus Hubschraubern über den hungrigen Massen auf der Straße stattgefunden hat sondern noch etwas subtiler und "hinter den Kulissen" durch Manipulationen der Geldmenge vor sich geht, so müssen diese einmal mehr wieder in die Zukunft verschobenen Schulden doch einmal beglichen werden. Dies wird am wahrscheinlichsten in Form von Steuererhöhungen durch den US-Bürger finanziert werden müssen. Wegen der durch die Fed-Maßnahmen zunächst erhöhten Geldmenge entsteht zunächst erhöhter Inflationsdruck -- ebenso wie wenn "Helicopter Ben" sogleich Notenbündel über einer Menschenmenge abgeworfen hätte oder ebenso wie zuvor durch Alan Greenspans vielzu weitgehende Zinssenkungen. Inflationsdruck und Haushaltseinnahmen werden sich zwar teilweise sogar durch drastische Steuererhöhungen ausgleichen und in demselben Moment durch Erhöhung der Federal Income Tax und evtl auch State Income Tax von den Banken und Unternehmen hinweg und primär auf den Verbraucher verschieben lassen; doch die Neuverschuldung der USA wird dennoch immer weiter steigen müssen, insbesondere falls (oder eher: sobald) die Fed einmal wegen einer ihrer im Zusammenhang mit dem Bailout von Bear Sterns gegebenen Bürgschaften in Anspruch genommen wird und dadurch wiederum ein neuer "Schlag ins Kontor" in Form einer solchen "unerwarteten" Verbindlichkeit auftritt. Ein weiteres Anzeichen für staatliche Mißwirtschaft, denn wer bürgt, muß auch eine Inanspruchnahme aus der Bürgschaft überstehen können.
Angesichts solcher Aussichten müssen die Zinsen in den USA schon aus Gründen der Staatsräson so niedrig wie möglich bleiben, und die Fed wird daher Zinserhöhungen so weit als irgend möglich vermeiden. In der technischen Analyse zeigen folgerichtig die mittelfristigen Indikatoren für die Zinsentwicklung wie Eurodollar Futures und Three-month T-Bills nach unten; fundamental ist dies durch das dargelegte Interesse an möglichst niedrigen Zinsen erklärbar. Erst längerfristig -- und auch nur, wenn die USA nicht durch eine plötzlich auftretende deflationäre harte Landung in "japanische Verhältnisse" verfallen -- ist mit einem Zinsanstieg zu rechnen, wahrscheinlich wenn, fundamental betrachtet, der Zauberlehrling Bernake die "Geister, die [er] rief", wieder einfangen muß.
Damit sind die Rahmenfaktoren für zukünftige Dispositionen am Markt bereits erkennbar, kann eine längerfristige Strategie für profitables Handeln entwickelt werden. [Detailliertere Ausführungen auf dieser Grundlage werden in den nächsten wochen und Monaten in gesonderten Beiträgen und in den Subscription-only newsletters der finanzredaktion.de veröffentlicht.]
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