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aktuell:
Fremdwährungspreise und Euro
"In London wurden gestern einzelne
Bücher aus der Bibliothek William Bonners versteigert. Die Werke
brachten einen Gesamterlös von 21.000 Euro."
Diese Meldung wurde heute morgen, am 15. Juni 2006,
von den Presseagenturen übertragen. Mit genau dieser Preisangabe.
Noch vor wenigen Jahren waren Dummheiten wie diese nicht anzutreffen.
Noch vor wenigen Jahren wußte jeder, daß in London in Pfund
Sterling bezahlt wird. Noch vor wenigen Jahren waren auch die Verfasser
bei den Presseagenturen so verwegen,
beim Leser, Radiohörer oder Fernsehzuschauer wenigstens einen Rest
von Allgemeinbildung vorauszusetzen und mithin die notwendigen
Kenntnisse über Alltägliches in
Nachbarländern zu erwarten, ihm das Verständnis eines Wortes
wie Pfund als Preisangabe
zuzumuten. Heute hingegen wäre dies offenbar zuviel
verlangt, und in der Tat darf man inzwischen annehmen, daß ein
großer Teil der Erwachsenen in Deutschland nicht weiß, ob
in
Großbritannien in Euros bezahlt wird oder nicht. Ob dies an der
fortschreitenden Verblödung durch mangelhafte Qualität in
Pressemeldungen oder an der freiwilligen Kapitulation der Zeitgenossen
vor der durch Privatfernsehen und ähnlich minderwertige Medien
verbreiteten Dummheit liegt, läßt sich nicht zweifelsfrei
ermitteln. Möglicherweise liegt es auch an der propagandistischen
-- pardon: durch Massenkommunikation erleichterten -- St ützung
der Idee einer einheitlichen europäischen Währung ("Der Euro
wird eine stabile Währung", Flugblätter
in den 90er Jahren); vielleicht ist also die Monotonie
ständiger Euro-Zahlen auch bei Meldungen von außerhalb des Euro-Raumes durchaus gewollt, um
die
Akzeptanz des €sperantos, dieser währungspolitischen Kakophonie,
dieses kleinsten gemeinsamen Nenners vern ünftiger
Finanzpolitik, künstlich zu erhöhen.
Es ist letztlich gleichgültig,
aus welchen Gründen
diese neuartige Umrechnungs-Hysterie in Euro-Beträge ausgebrochen
ist. Fest steht jedenfalls, daß solcher Unfug zu einem noch
rapideren Verlust grundlegendster Kenntnisse über
andere Länder, zum Verzicht des Blickes über
den Tellerand und letztendlich zu einem Verblödungsstand der
Europäer auf US-Niveau ("Do you have tab water in Germany?", "Is
there color TV in your
country?") führen kann. Dabei wäre
-- ganz im Gegensatz zu sämtlichen am grünen
Tisch ausgebrüteten "Bildungsoffensiven"
in diesem Lande -- der Erhalt oder
Wiederausbau jenes einst als selbstverständlich geltenden
minimalen Wissensstandes doch zum
Nulltarif zu haben.
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